„Glauben wird durch Gemeinschaft stark, Einsamkeit bringt ihn zum Schwanken.“ Vier Tage voller Begegnungen, Herausforderungen, Lachen und Glauben: Vom 6. bis 9. August 2026 kamen 60 Teenager im Alter von 10 bis 16 Jahren aus den Bezirken Frankfurt, Rhein-Pfalz, Mainz und Offenbach zum Teenscamp zusammen. Begleitet wurden sie von 25 jugendlichen und erwachsenen Betreuenden.
Was auf dem Programm nach Kanu, Kreativangeboten, Team-Challenges und Mottoabend klingt, wurde vor Ort vor allem eines: gemeinsam verbrachte Zeit, in der aus vielen einzelnen Teilnehmenden schnell eine Gemeinschaft werden konnte.
Ankommen, kennenlernen, dazugehören
Der Donnerstag begann mit der Anreise und einer gemeinsamen Begrüßung. Nach dem Mittagessen wurden die Zimmer bezogen. Dabei blieb nicht viel Zeit nebeneinanderher zu leben: Beim Kennenlernen in den Zimmergruppen und bei Spielen wie dem „Vier-Ecken Spiel“, „Zwei Wahrheiten, eine Lüge“ oder dem Speeddating kamen die Teens miteinander ins Gespräch. So bot schon der erste Nachmittag viele einfache Gelegenheiten, Namen zu lernen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und neue Kontakte zu knüpfen.
Am Abend verlagerte sich das Camp nach draußen. Aufgrund der Trockenheit der letzten Wochen und der daraus resultierenden Waldbrandgefahr wurden, anstatt des Lagerfeuers, gemeinsam verschiedenste Spiele gespielt. Die Bandbreite reichte dabei von Mario Kart und Just Dance über Werwolf bis hin zu Tischtennis. Entscheidend war dabei weniger, was genau gespielt wurde, sondern dass niemand lange allein am Rand stehen musste: Es gab viele Anlässe, sich einzuklinken, mitzumachen oder einfach mit anderen zusammenzusitzen.
Freitag: Gemeinsam ins Boot - und auf den roten Teppich
Nach Morgenrunde, Frühstück und gepackten Lunchpaketen ging es am Freitag mit dem Bus zum Kanufahren an die Lahn. Auf dem Wasser zeigte sich schnell, was auch für den Rest des Wochenendes galt: Allein kommt man irgendwie voran, gemeinsam meistens besser. Absprachen, Rücksicht und eine Portion Humor gehörten deshalb mindestens genauso dazu wie Paddel und Schwimmweste. Am Nachmittag kehrte die Gruppe zur Jugendherberge zurück und konnte kurz durchatmen, bevor am Abend ein deutlicher Szenenwechsel anstand.
Denn beim Mottoabend drehte sich alles um Lieblingscharaktere aus Filmen und Serien. Die Idee: eine echte Premiere mit rotem Teppich, VIP-Bändern, Foto-Spot und passender Film- und Serienmusik. Dazu lief Musik und es wurde z. B. Stopptanz gespielt. Wer sein Kostüm besonders überzeugend, kreativ oder überraschend umgesetzt hatte, durfte sich am Ende sogar über eine Preisverleihung im Oscar-Stil freuen. Aus einem normalen Gemeinschaftsraum wurde so für einen Abend ein kleines Stück Hollywood – nur eben mit deutlich mehr Gemeinschaftsgefühl.
Samstag: David gegen Goliath - viele Wege, ein Team
Der Samstag bot besonders viel Auswahl. Unter dem Programmpunkt „David gegen Goliath“ konnten die Teens sich mit dem Umgang von Konflikten und Selbstbehauptung auseinandersetzen. Als sportliche Angebote gab es Geocaching und ein Sportturnier. Um der Kreativität freien Lauf zu lassen, konnten sich die Teilnehmenden mit Henna gegenseitig Motive auf ihre Haut aufmalen, Kreuze farblich gestalten, T-Shirts bemalen oder Armbänder knüpfen. Es gab außerdem die Möglichkeit, an einem Escape Room teilzunehmen. Damit war für die unterschiedlichsten Interessen etwas dabei – für Bewegungsfreudige ebenso wie für Rätselnde, Kreative oder diejenigen, die lieber in kleinerer Runde aktiv wurden.
Gerade diese Vielfalt machte es leicht, immer wieder in neuen Konstellationen zusammenzukommen. Nicht jede und jeder musste dasselbe mögen; trotzdem gab es ständig gemeinsame Erlebnisse und Gesprächsstoff. Genau darin lag ein roter Faden des Wochenendes: Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass alle gleich sind, sondern dadurch, dass Unterschiedliches Platz bekommt und man Dinge miteinander erlebt.
"Lach-athlon": Bestleistungen mit Nebenwirkung
Am Nachmittag wurde es sportlich - zumindest im weitesten Sinne. Beim „Lach-athlon“ traten sieben Teams an verschiedenen Stationen gegeneinander an. Gefragt waren Geschick, Wissen, Kreativität und vor allem Zusammenarbeit. Beim "Limbo" musste gemeinsam eine möglichst niedrige Höhe gemeistert werden, bei „Wissen to go“ zählten schnelle Antworten, bei „Picasso auf Beißprobe“ wurde mit dem Stift im Mund gezeichnet und bei „Operation Aladin“ musste eine Decke umgedreht werden, ohne dabei den Boden zu berühren.
Weitere Disziplinen wie Wasserpong, Kartenhausbau, „Ring frei“ mit einem eckigen Hula-Hoop-Reifen und „Silent Superstar“ sorgten dafür, dass kaum ein Team ohne Lachen von Station zu Station kam. Punkte gab es zwar auch - aber die eigentliche Herausforderung bestand darin, Ideen auszuprobieren, einander zu helfen und gemeinsam dranzubleiben, wenn der erste Versuch nicht gleich funktionierte.
Gottesdienst in besonderer Atmosphäre
Nach Abendessen und Chorprobe folgte eine gemeinsame Vorbereitung des Gottesdienstes in Form eines Workshops, in dem die Teilnehmenden fiktiven, aber historisch passenden Personen (gespielt von Betreuerinnen und Betreuern) aus dem Zeitraum 50–60 nach Christus begegnen konnten, um diese zu interviewen. Diese fiktiven Personen waren dabei Teil einer fiktiven Gemeinde. Anschließend schrieben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Brief an diese Gemeinde.
Nachdem die Cafeteria für den Gottesdienst umgestaltet war, begann um 23:30 Uhr der Gottesdienst mit Apostel Gert Opdenplatz.
Das Bibelwort dazu stammte aus 1. Petrus 5,8.9a: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben.“ Der Apostel teilte sich die Predigt mit dem Bezirksjugendbeauftragten, einem weiteren Priester und einem jungen Diakon.
Die Aussage insgesamt: Es ist viel unterwegs, das Angst und Streit stiften will. Deshalb gilt es, einen klaren Kopf zu bewahren und auf sich aufzupassen. Entscheidend sei es, die Kraft des Glaubens zu aktivieren. Fazit– dabei gilt: „Glauben wird durch Gemeinschaft stark“, zitierte Apostel Opdenplatz aus einem der jugendlichen Gemeindebriefe.
Der Gottesdienst endete mit der Feier des Heiligen Abendmahls kurz nach Mitternacht, in den ersten Minuten des Sonntags.
Sonntag: Zurückblicken, danken, weitertragen
Nach einer kurzen Nacht begann der Sonntag mit Frühstück, Zimmeraufräumen und Schlüsselrückgabe. Um 10 Uhr kamen alle noch einmal zur Andacht zusammen.
Dazu wurden die Teenager in der „Fühl-Bar“ begrüßt. Wut als brüllender Löwe, der einen verschlingt, ausrasten lässt, woran Beziehungen zerbrechen können, die man nicht einfach wieder kitten kann: Das kam mit Klängen von Hardcore-Metal bis Zwölftonmusik, zerbrochenen Hölzern und Klebeband rüber.
Das Glauben hilft, zeigt allein schon der Placebo-Effekt. Und zum Schluss der Hinweis: Auch die Kinohelden-Truppe der Avengers konnte das Böse erst besiegen, als sie richtig zusammenhielt.
Danach war Zeit für die Siegerehrung des Lach-athlon. Auch Feedback in den Zimmergruppen und ein gemeinsamer Rückblick auf das Wochenende durfte nicht fehlen. Nach dem Mittagessen hieß es schließlich Abschied nehmen von den Zimmern, von vier intensiven Tagen und von Menschen, die am Donnerstag für manche noch völlig unbekannt waren.
Was bleibt
Der Satz, den ein Teenager in einem Workshop formulierte, fasst das Teenscamp treffend zusammen: „Glauben wird durch Gemeinschaft stark, Einsamkeit bringt ihn zum Schwanken.“ Gemeinschaft lässt sich nicht einfach in einen Zeitplan schreiben. Aber man kann Räume schaffen, in denen sie wachsen kann – beim Paddeln, beim Rätseln, beim gemeinsamen Lachen, beim Singen, im Gottesdienst oder in einem Gespräch zwischendurch.
Genau davon lebte dieses Wochenende: Viele unterschiedliche Menschen kamen zusammen, probierten Neues aus und teilten Glauben und Freizeit miteinander. Wer am Donnerstag anreiste, musste nicht schon vorher alle kennen, um am Sonntag mit gemeinsamen Geschichten nach Hause zu fahren. Und vielleicht ist genau das die schönste Einladung für das nächste Teenscamp: kommen, mitmachen und erleben, wie schnell aus einem Platz im Zimmer ein Platz in der Gemeinschaft werden kann.
26. August 2026
Text:
Andreas Rother,
Tim Vogel
Fotos:
Kathrin Becker,
Sina Becker,
Tamino Bilanchini,
Benjamin Lauer,
Maya Monsieur,
Brigitte Zimmermann
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